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Das Labyrinth

20. September 2004
 

Fuenf kleine Trolle

"1.000 Guiness, bitte"

Ober-Troll Norbert Aust Ein uraltes Symbol zur Darstellung kosmischer Vorgänge ist das Labyrinth. Am Montagvormittag trafen sich 1.000 Kinder aus Kiel-Gaarden im Werftpark, um als Trolle verkleidet vier riesige Labyrinthe abzuschreiten. Reif fürs Guiness Buch der Rekorde!

Auf dieser Veranstaltung liefen eine ganze Menge Fäden zusammen. Der Tag zu "Theater und Schule" war der Grund für die Anwesenheit von 1.000 Kindern der Fridtjof-Nansen-Schule, der Gerhart-Hauptmann Schule, der Hans-Christian-Andersen-Schule und eines Gaardener Kindergartens. Die Kinder kamen als Trolle verkleidet und hatten sich bunte Masken und Umhänge gebastelt. Damit alles klappt, wurde auch das "Gehen im Kreis" schon vorher ordentlich geübt. Und es klappte prima, als dann 1.000 Kinder in langen Reihen in die vier Labyrinthe Einzug hielten.
Zweiter Faden waren einige Frauen-Organisationen. Unter dem Motto "Nein in Stein" fordern sie schon länger ein Kunstwerk zum Gedenken an Frauen, die von Gewalt betroffen sind oder die durch Gewalt umgekommen sind. Da das zweite Motto lautet "Wege aus der Gewaltspirale", war es naheliegend, diesen Gedanken in Form eines Labyrinthes sichtbar umzusetzen.
Den Knoten in die Geschichte machte schliesslich die Kieler Frauenbeauftragte, Frau Annegret Bergmann. Das Ganze soll nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleiben. Siehe unten: "Das Labyrinth 2005".
Fehlt noch das sozusagen durchführende Organ. Schon einen Tag vorher hatte die ehemalige Kieler Künstlerin Rafaela Schmakowski die Labyrinthe auf der großen Wiese im Werftpark vorbereitet. Als umweltfreundliches Material kamen Sägespäne zur Verwendung.

Bild rechts: Ober-Troll Norbert Aust vom "Theater im Werftpark"
Bild unten: Einzug der 1.000 Trolle

Einmarsch der Trolle

Das Labyrinth 2005


Im Jahr 2005 soll das Labyrinth im Werftpark zu einer festen Einrichtung werden. Am Ausgang Richtung Ellerbek soll ein Rasen-Labyrinth mit 20 Metern Durchmessern und sieben Durchgängen gebaut werden. Die vier innneren Pfade werden befestigt und sind so auch mit dem Rollstuhl befahrbar.
In die Mitte der Anlage kommt ein großer Findling, wie bei alten Steingräbern mit kleinen Mulden versehen, in die kleine "Opfer" gelegt werden können.
Beim Bau dieses Labyrinthes können und sollen alle Interessierten mitwirken, egal ob Schulen, Vereine oder Einzelpersonen. Denn, wie mensch weiss: Für Kultur und Bildung ist in den öffentlichen Kassen kein Geld vorhanden. Wer Interesse am Mitbauen und auch an den vorausgehenden Veranstaltungen hat, der kann sich an die Frauenbeauftragte der Stadt Kiel wenden, Tel. 0431 - 901-2056.

Labyrinth

Das Labyrinth - Die Mythologie


Minos hatte Pasiphae zur Frau, "die allen Leuchtende", die Tochter des Helios und der Perseis, deren Namen man als Bezeichnung für eine Mondgöttin schon kennt. Es wurde erzählt, dass Pasiphae sich in einen wunderschönen, weissglänzenden Stier verliebte, den die Götter - Zeus oder Poseidon - nach Kreta geschickt hatten.
Der Stier kam wohl aus dem Meer, daher wird hier Poseidon genannt. Es wurde freilich behauptet, auch dieser Stier sei Zeus gewesen. Für die alten Kreter war der Stier sicher eine Erscheinungsform ihres höchsten Gottes. In unseren berühmt gewordenen Erzählungen war Pasiphae in einen wirklichen Stier verliebt.
Sie liess vom geschickten Meister Daidalos eine falsche Kuh verfertigen und versteckte sich darin. Der Stier liess sich täuschen und zeugte mit der Königin den Minotaurus, den "Minosstier", mit Namen Asterios (Anm.: i.e. der Sterngleiche), ein Kind mit einem Stierkopf, das verborgen werden musste. Es wuchs im Labyrinthos auf, einem Bauwerk von Irrwegen, das Daidalos zu diesem Zweck erdacht hatte. Theseus von Athen tötete schliesslich den Stiermenschen ...
(Quelle: Karl Kerenyi "Die Mythologie der Griechen", München 1966)

Labyrinth

Das Labyrinth - Definition I


Das Labyrinth hat eine doppelte Bedeutung, eine kosmische und eine erotische. Es gilt im ersten Fall als der Verlust des Geistes im Prozess der Schöpfung, im neuplatonischen Sinne als der Sündenfall, und konsequenterweise ist das Herausfinden aus dem Zentrum die Rückkehr zur geistigen Erkenntnis. Bei den Ausgrabungen in Knossos auf Kreta fand man eine verwirrende Anzahl von Zimmern und Korridoren. Ausserdem entdeckte man auf einem offenen Platz einen Tanzboden, der ein Labyrinthmuster aus Mosaikarbeiten trug. Es stand in Bezug zu rituellen erotischen Frühlingstäznen.
Im Verlaufe des kreisförmigen Tanzes wurden in der archaischen Zeit männliche und weibliche Initianden eingeweiht. Nach Eliade ist der Gang durch das Labyrinth ein Initiationsakt zur Gewinnung von Unsterblichkeit, ähnlich wie der mythologische Kampf mit dem Drachen. Insofern ist der Tod auch als ritueller Tod zu verstehen, den jeder Eingeweihte zu durchlaufen hatte; die sieben attischen Jünglinge und Mädchen wurden vielleicht gar nicht getötet, sondern in einen Kult eingeweiht. Die unblutige Geschichte der minoischen Kultur könnte durchaus für diese Interpretation sprechen.

Labyrinth

Der Ariadnefaden, der Theseus aus den Irrgängen zurückführt, ist sicher zu verstehen als roter Faden, der sich durch zahlreiche Gedankengänge ziehen soll. Damit wird aber nur auf seine technische Bedeutung verwiesen. Er stammte aus der Hand des bedeutendsten minoischen Technikers: Es war Dädalos, der sowohl das Labyrinth baute, ala auch den Zauberfaden spann. Gleichzeitig war der Faden eine Liebesgabe, den die besorgte Ariadne ihrem Liebsten mitgab. So symbolisiert er die Verbindung von esoterischer Technik und kosmischer Liebeskraft, die besonders im indischen Tantrismus von besonderer Bedeutung ist. Die Verbindung mit den kretischen Mysterien könnte sogar darauf hinweisen, dass mit ihm die Kundalini, die aufsteigende Schlange der Lust und Erkenntnis gemeint ist.
(Quelle: Wolfgang Bauer / Irmgard Dümotz / Sergius Golowin: "Lexikon der Symbole", Wiesbaden 2000)
 

Labyrinth
Labyrinth
Zum Schluss der Veranstaltung wurden Dutzende von Luftballons in die Freiheit entlassen.
 

Das Labyrinth - Definition II


Labyrinth (griech.: labyrinthos, ein Lehnwort aus einer vorgriechischen Sprache. Evtl. von karisch(?) labrys fälschlich mit Doppelaxt, Haus der Labrys übersetzt) bezeichnet: ein begehbares Symbol. In der griechischen Mythologie ein von Daidalos für den kretischen König Minos von Knossos errichtetes Gebäude, aus dessen verschlungenen Gängen niemand herausfand und in dessen Innern der Minotauros auf der Lauer lag. Theseus vermochte mit Hilfe des Ariadnefadens den Weg zu finden. - dieser Mythos entstandt in einer Zeit des Übergangs einer vorpatriarchalen Epoche in eine patriarchale. Daher ist der Mythos kritisch zu lesen.
Keltische Spirale Bei Herodot ist das Labyrinth ein gewaltiges Bauwerk in Ägypten.
In der Kunstgeschichte in Handschriften und eine in den Fußboden von Kirchen eingelegte Figur nach dem Grundriss eines von der Ur-Form abgewandelten Labyrinths, die den Weg der BüßerInnen nach Jerusalem symbolisiert.
Labyrinthe - wir wissen so gut wie nichts über deren Ursprung und Verwendung! Der älteste wissenschaftlich sicher datierbare Fund stammt aus der Zeit um 1220 v.u.Z aus Pylos (GR) bzw. Tell Rifa'at (Syrien). Hinweise auf Labyrinthe in Asien und Amerika stammen aus viel späteren Zeiten. In Australien kennen wir keine solchen Funde, ebenso nicht aus Schwarzafrika! Dass Labyrinthe weltweit vorkamen ist ein Mythos. In Skandinavien wurden Rasen- und Steinlabyrinthe oft mit 11 Umgängen gefunden, die ihrem Alter nach sicher nicht von der so genannten Megalithkultur stammen. Der Totentempel des Königs Amenemhet III. (1844 - 1797) mit vermutlichen 3000 Räumen legt über die Irrgartenstruktur ein Zeugnis ab, nicht aber über das Ur-Labyrinth als solches. Labyrinthe wurden ca 400 v.u.Z. auf kretische Münzen geprägt, in römische Fußbodenmosaike eingearbeitet. Mittelaterliche Labyrinthe finden sich in vielen Kathedralen, beispielsweise in Notre-Dame de Chartres, in Notre-Dame de Amiens und im Dom von Siena als Fußbodenlabyrinthe. Ein Fingerlabyrinth befindet sich am Eingang des Doms in Lucca, Norditalien.

Zwei der vier Labyrinthe

Das Motiv der Legende von Minotaurus gilt für einige modernere Labyrinthdarstellungen als Anstoß. Der quadratische Mäander gilt manchen als die allgemeine Grundform des Labyrinthes, manchen aber die Doppelspirale. Wie gesagt, der Ursprung ist unbekannt.
Roemisches Labyrinth Häufig ist der Eingang bei begehbaren historischen Labyrinthen im Westen zu finden, der für die Kelten die Richtung des Todes oder den Eingang zur Anderswelt bzw. Unterwelt bedeutete. Der Weg in einem Labyrinth symbolisiert seit jeher Meditation und Erneuerung. Er stellt das Abbild einer verschlungenen Lebensbahn und zugleich den Weg in das Innere Selbst dar, die zur Umkehr bzw. zum Überdenken des eigenen Lebens auffordern. Erlösung verspricht das Finden der Mitte als Zentrum des Labyrinthes. Der Pfad eines kirchlichen Fußbodenlabyrinths galt als heilige bzw. magische Linie, die mit Bedacht und Konzentration, meist mit einer Kerze in der einen Hand, abgeschritten werden sollte. In Reims ist dieser rituelle Weg mehr als 1 km lang. Insgesamt kann man sagen, dass das Labyrinth als magischer Platz der Ruhe und Besinnung galt, an dem Augenblicke der Erleuchtung und Einkehr gesucht wurden.
Labyrinthe werden oft mit Irrgärten verwechselt. Im Gegensatz zum Irrgarten gibt es im Labyrinth immer nur einen Weg. Dieser kann zwar sehr verschlungen und lang sein, aber es gibt keine Abzweigungen. Die insbesondere in Großbritannien sehr beliebten Heckenanlagen in Parks mit vielen Abzweigungen sind Irrgärten. Auch das oben erwähnte Gesellschaftspiel hat als Spielplan eigentlich einen Irrgarten. Irrgärten vermitteln die Gefahr, sich zu verirren, aber auch die Spurensuche. Sie haben meist mehrere Wege, die sich kreuzen können, und mehrere Sackgassen. Irrgärten wurden von Königshäusern auch zur Erholung und zum reinen Zeitvertreib als Lustgärten angelegt.
Heute wird das Labyrinth sowohl von feministischen Gruppen (Zeughausplatz Zürich, Frauengedenklabyrinth Frankfurt) als auch katholischen u.v.a. für sich entdeckt, angelegt und gepflegt und mit Veranstaltungen lebendig gehalten. Es gibt sowohl in den USA als auch im deutschen Sprachraum ein Labyrinth-Bewegung.
(Quelle: de.wikipedia.org)

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