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Inhalt
Die Anfänge, Der Reichskriegshafen, Der Aufschwung, Die Werft, Eine echte Gaardener Erfindung: Das U-Boot, Die Entwicklung des Hafens, Zweiter Weltkrieg, Die Straßenbahn: Linie 4, Chronologie
Rubrik I - Die Gegenwart
Der Pfusch der Jahrtausendwende, Nach Oslo. Die Werften. Die Straßen: Namensgebung und Geschichte. Gaarden im Internet: Verschiedene Artikel und Links
Photoalbum
Mehrere Bilderserien aus Kiel-Gaarden:
Ein Rundgang - 100 Photos aus Gaarden (2003).
Der Wochenmarkt - Gaardens bunter Basar (Sommer 2003)
Die Flaniermeile - Umbau im Werftpark (2003)
Blumenmarkt ... auf dem Vinetaplatz im April 2004
Internationaler Kulturmarkt ... auf dem Vinetaplatz im Mai 2004
Internationales Kinderfest ... auf dem Vinetaplatz im Mai 2004
Weitere aktuelle und historische Photoalben finden sich in der Rubrik "Dokumente im Internet".
Gaarden - Von Anfang an
Gaarden wird im 12. Jahrhundrt das erste Mal dokumentarisch erwähnt. Das heutige Gaarden ist entstanden aus den beiden Dörfern Hemminghestorpe und Wulvesbrooke. Die natürliche Grenze zwischen beiden bildete der Mühlenbach. Hier stand früher tatsächlich eine Mühle, die dem Kloster Preetz gehörte. Wegen der Eigentumsverhätnisse entstanden dann später auch "Klösterlich" und "Fürstlich" Gaarden.
Die Höfe des "fürstlichen" Gaardens standen in der Gegend der heutigen Lübecker Chaussee. Dieser Teil wurde vollkommen eingeebnet und musste dem Güterbahnhof Platz machen.
Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war Gaarden eine Parklandschaft, die die Kieler zur Erholung nutzten. Das Zentrum von "Klösterlich Gaarden" befand sich etwa dort, wo heute die Werft liegt.
Der Reichskriegshafen
1871 wird Kiel Reichskriegshafen. Der deutsche Kaiser beginnt, zur See aufzurüsten. Hierfür brauchte es natürlich Werften, die in Dietrichsdorf und Gaarden gebaut wurden. Auf dem Gelände hinter der Werft wurden die Arbeiter angesiedelt. Der rasante Anstieg der Einwohnerzahl beginnt.
Was die Aufrüstung später bedeuten sollte, hatten die Kieler wohl schon geahnt, sie wehrten sich mit allen Mitteln gegen den neuen Ruhm. Die Prozesse der Stadt Kiel gegen das Deutsche Reich zogen sich über viele Jahre hin.
Der Aufschwung
Hatte Gaarden im Jahr 1871 noch 2.715 Einwohner, so waren es im Jahr 1910 30.427 Einwohner.
1875/76 wurde die Schulstraße nach einer ehemals dort gelegenen Volksschule benannt. In der Gegend der Schulstraße lag das erste Zentrum Gaardens. Hier standen eine Kirche (in der Kirchstraße, etwa dort, wo jetzt die Schwimmhalle steht) und ein Krankenhaus.
1901 wird Gaarden in die Stadt Kiel eingemeindet. Im selben Jahr wird der neue Stadtteil durch den Städtebauer Stübben überplant. 1903 entsteht der Vinetaplatz.
Die Werft
Seinen rasanten Auftstieg hat Gaarden dem Werftbau zu verdanken. Heute gibt es nur noch einen Rest der "Howaldts Werke", einer einstmals stolzen Werft mit mehr als 12.000 Beschäftigten. Davon ist nur eine Handvoll übrig geblieben, und auch von dieser Hand ist bald nur noch das Skelett zu sehen. Nach vielen, erfolgreichen Jahrzehnten hält man sich mühsam über Wasser.
Der eigentliche Betrieb besteht seit dem 1.10.1838. Senator Johann Schweffel (1796-1865) und August Georg Howaldt hiessen die Gründer der "Maschinenbauanstalt und Eisengießerei Schweffel und Howaldt"
Am Ostufer der Kieler Förde werden hierzu ganze Berge zur Begradung des Ufergeländes abgetragen, wodurch der heutige Werftpark entstanden ist.
Dort, wo jetzt an der Werftstraße der Fuhrpark der Post steht, befand sich früher die Giesserei der Werft. Sie wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört, die Produktion wurde zu "Vollert & Merkel" in die Preetzer Straße verlegt.
Eine echte Gaardener Erfindung: Das U-Boot
Am 18.12.1850 auf der Gaardener Werft: Wilhelm Bauer lässt seinen ersten "hyponautischen Apparat", den "Brandtaucher" zu Wasser. Um 20:00 Uhr beginnt er mit der ersten Probefahrt über Wasser. Angesichts des Ungetüms nimmt die vor Kiel liegende dänische Blockadeflotte Reissaus.
Am 1.2.1851 um 08:00 Ortszeit in der Kieler Förde: Das Unterseeboot läuft zu seiner ersten Taucherprobung aus. Um 09:00 wird der erste Tauchversuch unternommen. Das Boot sinkt, die anschliessende Rettungsaktion dauert 6.5 Stunden.
Schuld an dem Misserfolg war nicht etwa der Konstrukteur. Das Boot wurde durch die Kaiserliche Marine finanziert und unter der Aufsicht deutscher Offiziere gebaut. Dank deren überragendem Fachwissen wurde an allen Ecken und Enden gespart, und Wilhelm Bauer hatte den Pfusch mit dem Untergang seines Bootes zu bezahlen.
Dass seine Konstruktion funktionierte, bewies er mit seinem zweiten Boot "Seeteufel", welches der russische Zar bezahlte und das Bauer so bauen durfte, wie er es für richtig hielt. Der "Seeteufel" wurde am 25.5.1856 um ca. 20:00 Uhr zu Wasser gelassen. Der erste Tauchversuch erfolgte einen Tag später und glückte. Das Boot sank erst durch einen Unfall: Beim Tauchen wurde das Turmluk zu spät geschlossen.
Trotz seiner bahnbrechenden Erfindung - auch die heutigen Unterwasserschiffe funktionieren noch nach seinem Prinzip - starb Bauer total verarmt und ziemlich krank.
Sein erstes Boot, der "Brandtaucher" wurde beim Ausbaggern des Kieler Hafens gehoben. Es wurde restauriert und steht normalerweise im Militärhistorischen Museum in Dresden. Derzeit steht es als Leihgabe im Schiffahrtsmuseum seines "Geburtsortes" Kiel und kann dort besichtigt werden.
Bauer hat übrigens auch noch ein zahnradgelagertes Drehgeschütz für Befestigungsanlagen erfunden, das im Krieg gegen die Dänen erstmals zum Einsatz kam.
Der Kaiser und die U-Boote
Am 25.1.1906 läuft das erste, für die Kaiserliche Marine gebaute Unterseeboot vom Stapel. "U1" ist ein Zweischalenboot, zehn Mann Besatzung können mit ihm bis zu zwölf Stunden unter Wasser bleiben. Aus den Folge-Booten soll die "Flottille Weddingen" werden, in der auch Karl Dönitz im Ersten Weltkrieg Kampferfahrung bekommt.
Die U-Boote: Dritter Anlauf beginnt
Am 25.6.1933 kommen die U-Boote wieder. In Kiel-Wik wird die "Schule für U-Boot-Abwehr" gegründet. Gründungsbesetzung sind ein Dutzend Offiziere und ca. 60 Unteroffiziere und Mannschaften. Offiziell sollten hier nur Abwehrmaßnahmen entwickelt werden. Doch im Hintergrund hatte Deutschland schon lange an neuen U-Booten gebastelt. Diese wurden in Scheinfirmen in Holland bereits seit 1932 produziert und erprobt. In Deutschland wurden schon während der Verhandlungen zum Münchener Abkommen neue U-Boote auf Kiel gelegt.
Am 28.7.1935, schon 38 Tage nach Unterzeichnung des Flottenabkommens läuft ein neues U-Boot zur ersten Probefahrt aus. Alle zwei Wochen lief daraufhin ein neues Boot vom Stapel.
Die Entwicklung des Hafens
"Der Haken" ist die Straße, die von der Werftstraße zum heutigen Norwegen-Terminal führt. Am Anfang des Jahrhunderts verkehrten hier zwei Fähren mit den Namen "Primus" und "Sekundus" und sogar "Tertius" zwischen Ost- und Westufer. Mit diesen Fähren konnten auch Pferdefuhrwerke übersetzen.
Diese beiden Fähren wurden ersetzt durch den kleinen Dampfer "Ute", Fahrpreis 10 - 20 Pfennig. Ausserdem war hier der Anleger für die Schiffe der Fördeschiffahrt, hier ging es direkt von Gaarden aus zum Strand. Ein kleiner Sportboothafen komplettierte das Bild. Die "Ute" diente bis zur Schliessung des Anlegers als Vereinsheim.
Ging man die Straße "Der Haken" hinunter, dann lag rechts die Werft und einer ihrer Seiteneingänge. Auf der linken Seite tummelte sich alles mögliche: Ein Schrotthandel, Baustoffe und mehr. Hinter dem Gelände folgte dann der U-Bootbau. Die alte Bauhalle ganz am Ende der Hörn ist heute ein Firmen- und Veranstaltungszentrum.
Etwa 1995 begann dann der Wandel. Das Gelände wurde plattgemacht. Vielerlei Gebäude sollten hier stehen. Davon ist bis jetzt nur der Fähr-Terminal Richtung Norwegen in Betrieb.
Norwegen-Kai
Am Norwegen-Kai befindet sich der Terminal der Color Line. Von hier aus fahren die Fährschiffe "Princesse Ragnhild" und der "Kronprins Harald" täglich in die norwegische Hauptstadt Oslo. Die Fahrtzeit beträgt ca. 19 Stunden. Auch Kreuzfahrer legen an diesem Kai an.
Am 18.8.1997 wird die Anlage ihrer Bestimmung übergeben. In Gegenwart der norwegischen Königin und der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis wird das Gebäude eingeweiht.
Und es wollte und wollte nicht klappen. Denn Bedingung für die Eröffnung seitens der norwegischen `Color Line` war, dass eine Brücke über die Förde fertiggestellt sein müsste. Und dieses Teil war so kompliziert gedacht, dass es monatelang Schwierigkeiten gab. So gingen der Stadt Kiel einige Mark an Pacht durch die Lappen.
Zweiter Weltkrieg
Wie Kiel insgesamt, so wurde auch Gaarden durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg schwer verwüstet. Eines der Hauptziele der Alliierten war natürlich die Werft, dadurch wurden auch viele Gaardener Wohnhäuser Opfer der Bomben. Die meisten der Häuser, die mein Ur-Großvater Anfang des Jahrhunderts errichten liess, gingen dabei vollkommen zu Bruch. Bei einem Angriff gab es einen Volltreffer auf ein Haus im Hinterhof. Etwa fünf Meter von diesem Haus entfernt saßen meine Mutter, ihre Schwester und meine Oma im Keller des Vorderhauses. Knapp daneben. Die Schäden, die durch die Wucht der Detonation verursacht wurden, waren allerdings noch lange Zeit nach Kriegsende zu sehen.
An vielen Häuserwänden und in vielen Kellern waren ebenfalls noch lange nach dem Krieg die Buchstaben "LSR" zu sehen: Luftschutzraum. Seltsame Vermauerungen in den Kellerwänden deuten auf ehemalige Durchbrüche hin, durch die die Bewohner im Falle eines Bombentreffers in die Nachbarhäuser flüchten konnten.
Mit insgesamt 29.946 Tonnen Bomben, die auf die Stadt niedergingen, liegt Kiel auf Platz 6 in der Liste der bombardierten deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg. Noch lange Jahre waren an vielen Stellen Baulöcher zu sehen. In den 70er Jahren begann dann eine umfassende Sanierung.
Linie 4
Auch Kiel hatte einmal eine Straßenbahn. Auf ihrem Weg von Holtenau nach Wellingdorf fuhr früher die Linie 4 auch durch Gaarden. Der Weg führte von der Gablenzbrücke zum Karlstal, dann weiter durch die Schulstraße. Hier wurde es bis zur Elisabethstraße, die durch die enge Augustenstraße erreicht werden musste einspurig. Vor allem in den beiden Kurven gab es ein Gerumpel und Gequietsche, das noch in hunderten von Metern Entfernung zu hören war. Weiter ging es zur Werftstraße und von dort bis zur Endstation in Wellingdorf. Das Depot für die Bahnen war in Gaarden an der Werftstraße. Die Kieler Straßenbahn wurde am 4. Mai 1985 eingestellt. Das Besondere an Kiel war die Spurweite von 1100 mm.
Das Photo rechts stammt vom Museumsbahnhof am Schönberger Strand. Dort können noch zwei der alten Wagen besichtigt werden.
Chronologie
1871 - Kiel wird Reichskriegshafen
Was das später bedeuten sollte, hatten die Kieler wohl schon geahnt, sie wehrten sich mit allen Mitteln gegen den neuen Ruhm Die Prozesse der Stadt Kiel gegen das Deutsche Reich zogen sich über viele Jahre hin.
1875 - Ein Krankenhaus
Mit den zunehmenden Beschäftigtenzahlen auf der Werft erhöhte sich auch die Zahl der Arbeitsunfälle. Um diese ortsnah chirurgisch versorgen zu können, wurde 1875 ein Krankenhaus eröffnet. Das Krankenhaus stand in der damaligen Kirchstraße an der Stelle der heutigen Gaardener Schwimmhalle.
Hier machte sich zu dieser Zeit der Arzt Neuber einen Namen. Nach seinen Wünschen wurde das Haus noch einmal komplett umgebaut. Neuber wollte hier seine Ansichten von Asepsis praktizieren. Er hatte Erfolg. Sowohl Wundinfektionen als auch Karbolvergiftungen kamen nicht mehr vor.
Neubers Großvater war übrigens Senator Johann Schweffel.
1891 - Ein Zulieferbetrieb
Gründung der "Eisengießerei Vollert & Merkel" in der Preetzer Straße. In dieser Fabrik wurde alles mögliche produziert, zum Beispiel Motoren für die Schiffe der Howaldt-Werke. An wenigen Stellen in Kiel, so in der Bielenbergstraße, findet sich noch das "Dietrichsdorfer Modell", ein von der Firma erfundener Gullideckel. Auch Schrott wurd eingeschmolzen. Ein Lieferant war die Firma Wulf, gegründet durch Johanna Magdalena Wulf, beheimatet ein Stück weiter die Preetzer Straße runter.
Anfang der 1970er ging der Umsatz wegen der preisgünstigeren, englischen Konkurrrenz sehr stark zurück. 1974 interessierte sich die Coop für das Grundstück, um dort einen Supermarkt zu errichten. Eine Abrissgenehmigung für die Fabrik wurde seitens der Stadt Kiel erteilt, eine Baugenehmigung jedoch nicht. Nach zermürbenden Auseinandersetzungen mit der Stadt verkaufte der Eigentümer Vollert schliesslich an die Stadt Kiel, das Gebäude wurde abgerissen.
Es wurde ein teurer Spaß für die Stadt. Das Gelände wurde auf "Leibrente" verkauft. Der ehemalige Eigentümer, der 2004 seinen 95. Geburtstag feiert, lebt immer noch und erfreut sich allerbester Gesundheit. Möge er noch einmal 95 Jahre älter werden!
Am Platz der Fabrik befinden sich heute ein Parkplatz und eine Turnhalle.
1901 - Adieu, Selbständigkeit
Gaarden wird in die Stadt Kiel eingemeindet.
25.1.1906
Das erste, für die Kaiserliche Marine gebaute Unterseeboot läuft vom Stapel. "U1" ist ein Zweischalenboot, zehn Mann Besatzung können mit ihm bis zu zwölf Stunden unter Wasser bleiben.
Aus den Folge-Booten soll die "Flottille Weddingen" werden, in der auch Karl Dönitz im Ersten Weltkrieg Kampferfahrung bekommt.
1913 - Die Räucherei
Gründung der Fischräucherei in der Preetzer Straße durch Fritz Mahrt. Der Betrieb ist 1973/ 74 eingestellt worden. Heute ist die Räucherei ein Bürgernzentrum.
1918 - Es reicht
1.11.1918 bis zum 3.11.: Die deutsche Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven meutert. Der Matrosenaufstand ist im Gange.
1935 - 1945
Kiel wird ein zweites Mal Reichskriegshafen. Und muss bitter dafür büßen.
März 1935 - Gneisenau
Unter Missachtung des Versailler Vertrages wird das Schlachtschiff "Gneisenau" auf Kiel gelegt. Stapellauf war am 8.12.1936. Auf Wunsch des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Generaladmiral Erich Raeder, wurde die Taufrede vom Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner Freiherr von Fritsch gehalten.
Beim Stapellauf gab es einen Unfall: Das Schiff rammte die Kaimauer am anderen Ufer und drückte diese vier Meter ein. Als Nachfolgerin der "Graf Spee" wird die "Gneisenau" Flottenflaggschiff, bis sie im März 1941 von der "Bismarck" abgelöst wird.
Anfang 1942 ist das Schiff wieder in Kiel. Bei einem Angriff britischer Bomberverbände in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar erhielt sie einen schweren Bombentreffer in das Vorschiff. Sie wird einsatzunfähig. Bei dem Angriff kommen 112 Mann der Besatzung ums Leben. Sie werden am 4. März auf dem Kieler Ehrenfriedhof beigesetzt.
8.12.1938 - "Graf Zeppelin", der Flugzeugträger
Auf der Bauwerft Deutsche Werke Kiel AG tauft Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin den ersten Flugzeugträger der Kriegsmarine auf den Namen `Graf Zeppelin`. Wegen kriegsbedingter Materialprobleme musste der Bau 1940 gestoppt werden. Das Schiff musste im Juni 1940 nach Gotenhafen geschleppt werden und diente der Lagerung von Edelhölzern. Am 13. Mai erging dann doch noch der Befehl zum Weiterbau, am 5.12.1942 kam der Träger mit Schlepperhilfe wieder in Kiel an. Wiederum wegen Materialmangels wurde der Bau eingestellt. Im April/Mai 1943 wurde das Schiff in einen Seitenarm der Oder bei Stettin verbracht.
Am 25.4.1945 wurde der Träger mit Wasserbomben versenkt. Das Wrack wurde 1946 von den Russen gehoben und als Transporter für Demontagegut verwendet. Soweit bekannt ist, soll der Träger dann sein Ende als Zielscheibe für Torpedos und neue Munition gefunden haben. Die zweite Versenkung soll bei 18 E 30 und 55 N 48 stattgefunden haben.
Der Liegeplatz für das Schiff sollte eigentlich Bremerhaven sein. Das Hafenbecken war bereits fertiggestellt.
8./9.4.1941 - Die Bomben fallen
Britischer Luftangriff auf Kiel: 84 Tote.
14.5.1943 - Schwere Bombenangriffe
Schwere amerikanische Bombenangriffe auf Stadt und Hafen. Es fallen 250 Tonnen Bomben.
13.12.1943 - Wieder Bombenangriffe
1.462 amerikanische Bomber greifen Kiel, Bremen und Hamburg an.
4.1.1944 - Noch mehr Bomben
Zwischen 11:00 und 13:00 Uhr wird Kiel wieder das Ziel alliierter Bomben. Schwere Schäden im Bereich Düsternbrook.
23.1.1945 - Flüchtlinge
Beginn der Transporte von Soldaten und Flüchtlingen aus Ostpreußen und der Danziger Bucht nach Kiel.
3.4.1945 - Volltreffer auf "Admiral Hipper"
Bei einem Luftangriff auf Kiel erhält der schwere Kreuzer "Admiral Hipper" einen Bombenvolltreffer. Beim nächsten Angriff werden auch die Aufbauten ein Opfer der Bomben. Mangels Material war eine Reparatur unmöglich, und so wurde das Schiff am 3.5.1945 im Dock der Deutschen Werke gesprengt. Der Schiffsrumpf wurde im Juli 1945 wieder schwimmfähig gemacht. Man setzte das Schiff in der Heikendorfer Bucht auf Grund, wo das Wrack bis zu seiner Verschrottung in den Jahren 1948/49 liegen blieb.
25.10.1946 - Bunkersprengung
Die Briten sprengen den U-Bootbunker "Kilian". Die Bevölkerung bittet um Aufschub, weil unter dem Bunker noch fünf Tote in einem U-Boot liegen. Die Briten lehnen ab. Die Trümmer des Bunkers sind noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu besichtigen.
28.6.1964 - Starpalast
Um 19:00 Uhr ist es soweit: Der Starpalast im Karlstal, Ecke Kaiserstraße öffnet seine Pforten. Und wird in den nächsten Jahren eine wechselhafte und wilde Geschichte durchmachen. Hier haben Stars von Weltruhm gastiert. Zu Zeiten, als der "Kraut-Rock" noch eine blühende und eigenständige Musikrichtung war, haben hier viele Bands Station gemacht. "Epitaph" waren eine ganze Woche hier. Otto Waalkes hat hier zu Zeiten gastiert, in denen er sich noch ernsthaft als Musiker und nicht als Blödel-Barde versucht hat. Seine Pauseneinlagen waren immer besser als seine Musik, und so machte er schliesslich nur noch Pausen.
Der Laden machte einige Besitzer- und Namenswechsel durch. Seine wohl beste Zeit hatte er unter dem Namen "Revolution", kurz "Revo" genannt. Das "Revo" hatte in der Szene den allerbesten, in der bürgerlichen Welt den allerschlechtesten Ruf. Der Drogenhandel blühte, auf der Freitreppe, die früher über die ganze Breite des Gebäudes ging, boten bis zu einem halben Dutzend Dealer ihre Ware an. Das Drogendezernat war öfter zu Besuch als so mancher Stammgast, Razzien waren an der Tagesordnung.
Die Polizei, damals noch wesentlich schlechter geschult als heute, beschlagnahmte bei ihren "Überfällen" auch schon mal Klumpen aus Teer und Anti-Baby-Pillen. Legendär auch die Geschichte, als ein Haufen Männer, irgendwie getarnt als Männergsangsverein, wankelnd und torkelnd die Straße heraufkam und plötzlich in alle Richtungen zum Dealerfang auseinanderspritzte. Die "Konkurrenz" hatte den Braten aber schon längst gerochen und war schnurstracks verduftet.
Wie ich es meinen Eltern beigebracht habe, dass mich die Polizei dort als 15-jährigen nach Mitternacht aus dem Laden geschleift hat, ist eine Geschichte für sich
Mit der Umbenennung in "Electric Action" - ein Übernahmeversuch durch die "Bergstraße" - begann dann der Anfang vom Ende. Statt Birth Control, Frumpy, Pink Floyd und wie sie alle hiessen, sollte hier der Pop der 70er Jahre Einzug halten. Die alten Gäste blieben aus, es floppte.
Nach seinem Ende als Musiktempel beherbergte das Haus u.a. einen Tapetenmarkt und einen Laden für Ramschartikel. Heute ist das Gebäude eine Moschee. Ganz am Anfang war dort übrigens ein Kino zuhause.
1.3.1993 - Radio
06:00 ? MEZ Kiel, Werftstraße: Auf Welle 105,6 beginnt alpha-Radio zu senden. Der Name bleibt dem Sender nicht lange erhalten: Die Kirch-Gruppe hatte bereits Namensschutz für einen ähnlich klingenden Sender angemeldet, und so wird der Sender per 15.4. in delta-Radio umbenannt.
6.4.1998 - Spraydosen
Ca. 17:00 MESZ in der Schulstraße: Im Keller eines Hauses explodieren zwei Spraydosen - höchstwahrscheinlich durch Idiotie. Zwei Schwerverletzte.
1.10.2003 - Holsten-Eck: Geschichte einer Kneipe
Eine der traditionsreichsten Gaststätten in Gaarden ist das Holsten-Eck in der Kaiserstr. 57. Hervorgegangen ist es aus dem "Café Carlsen", das dort schon am Anfang des letzten Jahrhunderts eröffnet wurde. Im Volksmund wurde das Lokal "Café Knutsch" genannt, denn in stillen Nischen trafen sich dort die Jungs der Marine mit den Gaardener Deerns.
Am 1. Oktober 1983 hat Karin Trede das Geschäft übernommen, in diesen Tagen kann also 20-jähriges Bestehen gefeiert werden. Frau Trede ist Gastronomin in der zweiten Generation, ihre Eltern hatten lange Zeit das "Dreger´s", Ecke Elisabethstraße / Augustenstraße ("Fiesta", "A La Turka").
Auf ihre Erlebnisse während der 20 Jahre angesprochen, kommt die Chefin ins Sinnieren. Man war immer hautnah am Gaardener Geschehen. Als es der Werft noch gut ging, standen hier am Freitagnachmittag die Werftarbeiter in Viererreihen am Tresen und verlangten nach Bier. Legendär auch der "Petersilien-Markt". Nach dem Einkauf auf dem Wochenmarkt versammelten sich die Gaardener im und vor dem Holsten-Eck. Auf offener Straße wurde geschwoft und getanzt. Lustige Begebenheit: Die vollen Einkaufskörbe wurden in Reih und Glied abgestellt, nach einigen Bierchen kam es da schon mal zu Verwechselungen, so dass es in vielen Familien am Sonntag ein "Überraschungsessen" gab.
In der langen Zeit hat das Holsten-Eck Gäste aus aller Herren Länder gesehen. Im Gästebuch finden sich neben vielen anderen Einträgen die besten Wünsche von Besuchern aus Dänemark und Wales. Auch die halbe Besatzung des Segelschulschiffes "Gorch Fock" hat sich hier verewigt.
Viele Gäste sind bereits ein Stück Geschichte. So trafen sich hier die Straßenbahner und der "Verein Montierung von 1881", ein Sterbeverein der Howaldts-Werke, der heute nur noch aus drei Mitgliedern besteht.
In der Gegenwart hat das Lokal Stammgäste, die bereits seit Jahrzehnten dort verkehren. Und neue Gäste kamen hinzu. Da die Türen für alle offen stehen, ist das Publikum ein bunter Querschnitt durch Gaarden. Auch für viele Gaardener Vereine ist das Holsten-Eck ein Zuhause geworden. Hier treffen sich unter anderen die "Alte Gaardener Gilde", der "Gaardener Verein" und der "TuS Gaarden".
Gastronomin kann ein kräftezehrender Beruf sein, trotzdem hat Frau Trede "ganz nebenher" noch ihre Kinder großgezogen und sich auch politisch engagiert, so etwa gegen die Einführung der Getränkesteuer.
Wünsche für die Zukunft? Dass es dem Stadtteil und seinen Menschen wieder ein wenig besser geht und man ein bisschen an das schöne Leben vergangener Tage anknüpfen kann.
Gaarden - Die Geschichte im Internet
"Ein deutscher Junge"
Karl-Heinz Rasmus, geboren 1927 in der Medusastr. 5 erzählt ausführlich über seiner Kinder- und Jugendzeit. Eine lebhafte Beschreibung des Alltagslebens in den 20er, 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein kleiner Auszug:
"Gaarden, der auf dem östlichen Fördeufer gelegene Teil Kiels, genoß als Wohngegend nicht gerade den besten Ruf und war bestimmt keine "feine Adresse". Ein großer Teil der Häuser stammte aus
dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Kiel, das den maßgeblichen Kriegshafen des Deutschen Reiches besaß, vervielfachte seine Einwohnerzahl in wenigen Jahrzehnten. Die Arbeit auf den Schiffswerften lief auf Hochtouren. Aus allen Teilen Deutschlands strömten Arbeitermassen herbei.
Für sie mußten schnell neue und vor allem billige Wohnungen gebaut werden.
Meistens vierstöckig errichtet, oft mit handwerklich oder gewerblich genutzten Hinterhöfen verbaut, boten diese Häuser keinen Komfort, wie er etwa heute selbstverständlich ist. Die Wohnungsgröße überschritt selten 2 bis 2,5 Zimmer. Das berüchtigte "Plumps-Klo", überwiegend von mehreren Mietparteien gemeinsam benutzt, machte sich durch einen üblen Gestank bemerkbar: entweder "auf halber Treppe", wie man so gemeinhin sagte oder, wenn es ganz schlimm kam, im Keller oder sogar auf dem Hinterhof."
Weiter zur Quelle auf www.seniorentreff.de
Verschiedene Links
Daos-Clan.de: Die Fördeschiffahrt
Gaarden - historisch Mehrere, ausführliche Texte auf der Homepage der SPD Gaarden.
Geschichte.Schleswig-Holstein.de
Museumsbahn Schönberg: Bilder zum Gaardener Bahnhof
Uni Kiel: Die Werft
Uni Kiel: Die Stadt Kiel - Stadtentwicklung von Kiel
Matthias Voss: Diplomarbeit (PDF)
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